Kristine Pogge

BAUCH, BÖRSE – PO!

Stefan Riße argumentiert für Anleger!

Wenn sein Publikum vor ihm aufsteht, dann spendet es ihm keine Ovationen – erst einmal nicht. Der Finanzmarktexperte und Redner Stefan Riße reißt die Leute vom Hocker, damit sie sich selbst an den Po greifen. Denn mit dem Sitzfleisch wird das Geld gemacht, nicht mit panischem Aktionismus aus dem Bauch heraus, sagt Riße.

Wer spart, verliert sein Geld!

Das ist die Botschaft, die Redner Stefan Riße in seinen Vorträgen zum Thema Inflation und Niedrigzins vermittelt. Und die Botschaft kommt an. Spätestens, wenn er vorrechnet, wie viel Geld wir mit Sparbuch und konservativen Anlagen verlieren. Und wie viel wir mit Aktien gewinnen können, wenn wir sie langfristig im Depot lassen. Fühlen Sie sich nun ertappt? Dann lesen Sie hier Stefan Rißes Argumente. Sie dürfen dabei auch sitzenbleiben…

Deutsche Sparer werden schleichend enteignet

Die Inflationsrate liegt in Deutschland seit Mai wieder bei zwei Prozent. Kein Problem möchte man meinen, schließlich ist das doch die Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB). Doch diese Sicht trügt. Denn nicht die Inflationsrate ist das Problem, sondern der bei null liegende Zins. Lag früher die Inflation bei zwei Prozent, dann wurde diese mindestens mit dem Zins ausgeglichen, wer sein Geld länger anlegte, bekam zumeist Zinsen, die ein bis drei Prozentpunkte über der Inflationsrate lagen. So wuchs das Ersparte zwar nicht schnell, aber es wuchs. Heute ist das anders. Denn entscheidend ist, was real übrig bleibt. Dafür wird vom Zins die Teuerungsrate abgezogen. Und wenn der Zins bei null aber die Inflation bei zwei Prozent liegt, dann verlieren wir real Geld. Zwei Prozent hört sich zunächst nicht schlimm an. Doch selbst bei dieser Inflationsrate bleibt nach fünf Jahren von 10.000 Euro real betrachtet nur noch eine Kaufkraft von 9.039 Euro übrig.

Diese Situation wird uns auch weiterhin begleiten. Zwar würde die gut laufende deutsche Konjunktur höhere Zinsen vertragen, nicht aber die der Südländer der Eurozone. Und die EZB macht die Geldpolitik für die  gesamte Eurozone und muss auf die schwächsten Länder Rücksicht nehmen. Die Kette reißt bekanntlich immer am schwächsten Glied. Es ist ohnehin klar erkennbar, dass die Notenbanken bewusst mit den Zinsen unter der Inflation bleiben, um so über einen negativen Realzins die Volkswirtschaften der alten Industrieländer zu entschulden. Das ist keine Verschwörungstheorie, das ist in der Vergangenheit immer wieder passiert. Die schöne Nebenwirkung der Inflation liegt für alle, die verschuldet sind, darin, dass eben nicht nur das Geld, sondern auch die Schulden entwertet werden. Und die Schuldenberge sind weltweit so groß, dass positive Realzinsen  noch in weiter Ferne liegen.

Wie reagiert der deutsche Sparer auf die schleichende Entwertung mit seinem Anlageverhalten? So gut wie gar nicht. Nach wie vor liegen zwei Drittel der deutschen Ersparnisse in Festzinsanlagen. Vielen Anlegern ist die Gefahr für ihr Geld offenbar noch immer nicht bewusst. Hier gilt es aufzuklären. Denn die Konsequenz aus der Situation kann nur heißen, Festzinsanlagen meiden und auf Sachwerte setzen. Sie unterliegen zwar Kursschwankungen, langfristig sind sie jedoch die einzige Möglichkeit sein Vermögen zu schützen. Den größten Teil liquider Sachwertanlagen – Immobilien bleiben hier unbeachtet – sollten Aktien ausmachen. Sofern sie Dividenden ausschütten, bieten sie wie festverzinsliche Anlagen eine Ausschüttung und damit den langfristig wichtigen Zinseszinseffekt. Im Gegensatz zu Anleihen ist der Anleger aber an der Firma beteiligt und damit an ihren Vermögenswerten. Diese steigen ebenfalls mit der Inflation, so dass es hier zu einem entsprechenden Ausgleich kommt.

Obwohl so vieles für Aktien spricht, hat die große Mehrheit der Deutschen Angst vor ihnen. Sie meinen, wer sie kauft, der spekuliert an der Börse. Doch das ist falsch, wer langfristig Aktien oder Aktienfonds kauft, der beteiligt sich an Unternehmen. Das hat mit Spekulation nichts zu tun.